Herbst-im-Ahorntal

Rede des Ersten Bürgermeisters zum Haushalt 2019

Liebe Mitglieder des Gemein­de­rats,

Sehr geehrte Frau Engel­brecht,

Sehr verehrte Gäste

Die Haus­halts­sit­zung ist immer eine beson­dere Situa­tion, in der wir aber auch dieses Jahr wieder fest­stellen können — Unserer Gemeinde geht es wirk­lich gut!

Wir konnten sogar unseren Verwal­tungs­haus­halt gegen­über dem Vorjahr um 3,43% und den Vermö­gens­haus­halt um 3,55% stei­gern.

Die Projekte, die in der Vergan­gen­heit schlep­pend ange­laufen sind, konnten in der Über­gangs­zeit, auch durch die Unter­stüt­zung von unserem Zweiten Bürger­meister, ange­gangen werden. Wir betreiben weiter eine Vorsorge für die Zukunft unserer Gemeinde, die auch in den kommenden Jahren weiter wachsen wird.

Das alles sind Para­meter dafür, die – auch mit der allge­mein bekannten Ahorn­taler Beschei­den­heit – die eingangs getrof­fene Aussage mit allem Nach­druck erlauben zu sagen: Uns geht es gut und wir können uns Einiges leisten.

Unsere liegen­ge­blie­benen Projekte sind Dinge, wie z.B. das Dorf­haus in Körzen­dorf oder auch der Radweg nach Oberails­feld, der Ausbau der Glas­fa­ser­an­bin­dung und der Neubau unseres Rathauses. Nur um mal ein paar der Dinge zu nennen.

Nur eins muss ich an dieser Stelle ganz klar heraus­stellen. Wir können nicht alles auf einmal stemmen. Auch wenn unsere Pro-Kopf-Verschul­dung mit 313€ im Vergleich exzel­lent ist, werden wir aufpassen müssen, uns bei den lang­fris­tigen Planungen nicht zu über­nehmen. Diese wird voraus­sicht­lich am Ende des Jahres weiter, auf 274€ pro Kopf, sinken.

Die aktu­elle Situa­tion in der Baubranche sieht so aus, dass die Kosten für Bauten, welche auch immer, so exor­bi­tant gestiegen sind, dass man das nicht mit den Zahlen von vor 5 Jahren oder sogar mit den Zahlen vom letzten Jahr verglei­chen kann.

Wir müssen uns also letzt­lich in dieser Phase dieser Baupreise auf die Kern­auf­gaben der Gemeinde konzen­trieren.

Wenn ich mir vorstelle, dass wir voraus­sicht­lich die Wasser- und Abwas­ser­ver­sor­gung, auch in mehreren Orts­teilen sicher­stellen, unser Rathaus neubauen und die Kinder­be­treuung ausbauen müssen, dann kann man sich vorstellen, dass Projekte aus Zeiten, in denen diese Heraus­for­de­rungen noch nicht im Fokus lagen, erst einmal hinten anstehen sollten. Ich betone an dieser Stelle aber ganz klar, begraben wird hier nichts! Ich stehe auch heute ganz klar hinter dem Fahr­radweg nach Oberails­feld!

Eine solide Haus­halts­füh­rung war und ist ein Kenn­zei­chen dieser Verwal­tung. Und auch im Haus­halt 2019 könnt ihr euch alle darauf verlassen, dass alle Ansätze nach klar defi­nierten Anfor­de­rungen und Projekten einge­stellt, und eng gebunden an die Aufgaben zur Daseins­vor­sorge, die wir als Kommune haben, getroffen wurden. Das aktuell – also in Zeiten einer boomenden Wirt­schaft mit zuneh­menden Fach­kräf­te­mangel und einer mehr als ausge­las­teten Baubranche – am Ende des Jahres nicht alles erle­digt ist, was sich der Gemein­derat und die Verwal­tung vorge­nommen haben, ist keine „stra­te­gi­sche Steue­rung“ oder mangelnder Wille und Anstren­gung. Zum einen haben wir in der Gemeinde turbo­lente Zeiten hinter uns und zum anderen müssen wir täglich fest­stellen, dass mitt­ler­weile die Anzahl an Ange­boten, die auf Ausschrei­bungen eintreffen, sehr über­schaubar ist. Es wird daher zuneh­mend schwie­riger, die gewünschten und geplanten Projekte zeitnah ins Leben zu rufen. Das ist ärger­lich, aber am Ende muss man sich nüch­tern fragen, ob es ein Schaden ist, wenn das Geld noch nicht ausge­geben wurde. Leider sind bei einigen Projekten schon Gelder inves­tiert worden, so dass wir versu­chen, an diesen Stellen mit einem blauen Auge davon zu kommen. Es ist wie es ist… Der Markt limi­tiert mitt­ler­weile unsere Hand­lungs­fä­hig­keit!

Trotzdem: Wir haben wie erwähnt auch vieles inzwi­schen geschafft.

Im Rahmen der Dorf­er­neue­rung konnten wir den Abriss der alten Schule und den Bau des Dorf­platzes und des Kinder­spiel­platzes in Körzen­dorf umsetzen. Wir haben schon in einigen Teilen der Gemeinde die Dorf­be­leuch­tung erneuert und viele Teile werden noch folgen! In den Feuer­wehr­häu­sern in Körzen­dorf und Reizen­dorf haben wir Abgas­ab­saug­an­lagen einge­baut.

In unserer Grund­schule sind wir dabei die Fenster und Türen zu sanieren und längst über­fäl­lige Brand­schutz­maß­nahmen zu imple­men­tieren. Weiter haben wir die Wasser­ver­sor­gung in unserer Gemeinde weiter sicher­ge­stellt. Dies ist eine der Kern­auf­gaben und entspre­chend muss ich auch da klar sagen, die bestehenden Gebühren werden wir so nicht halten können.

Einen drin­genden Appell muss ich an dieser Stelle noch in Rich­tung Bund und Land richten.

Wir als kleine Gemeinde sind sehr bemüht uns den Aufgaben der Digi­ta­li­sie­rung zu widmen. Sei es Schule, die Haus­halte oder den Anschluss von Gewerben. Wenn man aller­dings eine Fläche von Rund 42 km² mit 27 Ortschaften abzu­de­cken hat, dann sind das Aufgaben, die unter den jetzigen Umständen kaum zu bewäl­tigen und zu finan­zieren sind. In Städten schließt man in einem Stra­ßen­strich, mit 200 Meter Glas­faser mal schnell 200 Haus­halte an. Bei uns sieht das anders aus. In Flächen­ge­meinden wie unserer brau­chen wir drin­gend eine weit bessere Zuschuss­mög­lich­keit, als das was bisher beschlossen wurde.

Aufgrund der vielen finan­zi­ellen Heraus­for­de­rungen müssen wir uns lang­fristig aber über­legen, wie wir unseren Haus­halt weiter aufbes­sern können. Wir werden sicher nicht um die Auswei­sung eines Klein­ge­wer­be­ge­biets und andere neue Einnah­me­quellen herum­kommen. Auch der Tourismus ist für unsere Gemeinde wichtig! Hier müssen wir ebenso weiter inves­tieren. Nichtstun ist ein Rück­schritt. Wenn man bedenkt, dass auch unsere Einwoh­ner­zahlen langsam rück­läufig sind, müssen wir alles erdenk­liche dafür tun, diesen Trend in unserer Gemeinde umzu­kehren. Wir brau­chen Bauplätze für Fami­lien mit Kindern, wir brau­chen drin­gend eine Auswei­tung der Kinder­be­treuung und wir brau­chen drin­gend die Möglich­keit, Unter­nehmen in der Gemeinde zu halten und auch neu ansie­deln zu lassen. Nur so können wir auch lange Arbeits­wege unserer Bürge­rinnen und Bürger verhin­dern und sichere Einnah­me­quellen für unsere Gemeinde gene­rieren und sichern.

Weiter müssen wir schauen, dass wir den Ener­gie­auf­wand unserer Gemeinde senken und uns dahin­ge­hend Gedanken machen, wie wir uns ener­ge­tisch so aufstellen können, dass wir zukunfts­ori­en­tiert und nach­haltig mit unseren Ressourcen umgehen. Da steckt ein erheb­li­ches Entwick­lungs­po­ten­tial dahinter, aus der wir enormen Profit ziehen können was uns wiederum bei der Umset­zung der Projekte weiter­helfen wird.

Ich habe im Wahl­kampf Anfang des Jahres immer wieder betont, dass der nächste Bürger­meister, egal ob er Stephan oder Florian heißen wird, ein Bürger­meister sein wird, der sehr viel Geld in die Hand nehmen muss. Das werden wir ganz sicher in den kommenden Jahren machen müssen.

Ich schaue aber äußerst zuver­sicht­lich in die Zukunft, denn wir können alle uns vorge­nom­menen Aufgaben schaffen und leisten. Es wird nur etwas Zeit in Anspruch nehmen und wir müssen das wohl über­legt und eben der Reihe nach umsetzen.

Unser Kämmerer, Herr Linhardt wird jetzt den Haus­halts­plan weiter erläu­tern. Ich muss mich an dieser Stelle herz­lich bei ihm bedanken. Wir haben schon bespro­chen, dass wir ab kommendem Jahr, dieses Jahr war eine außer­ge­wöhn­liche Situa­tion in unserer Gemeinde, den Haus­halt deut­lich eher beschließen.

Wir können aus heutiger Sicht mit Zuver­sicht und einem hohen Maß an „Unauf­ge­regt­heit“ auf das kommende Haus­halts­jahr blicken. Wir haben viel erreicht, haben aber noch weit mehr vor.

Durch rich­tige, stra­te­gi­sche Entschei­dungen können wir die Heraus­for­de­rungen der Zukunft meis­tern – und das ist eine sehr gute Perspek­tive!